Die Gefahren der Praxis

Hin und wieder passiert es mir, dass ich falsch praktiziere. Das ist nicht groß überraschend, schlieslich ist man auch nur ein Mensch und Menschen machen eben Fehler.

Es spricht auch überhaupt nicht gegen die Praxis, früher habe ich schlieslich auch Fehler gemacht, nur eben andere (und eher größere). Früher habe ich häufig zu viel nachgedacht und mich in meinen Gedanken verloren. Heute lasse ich die Gedanken auch einfach mal Gedanken sein.

Das hilft auch häufig im Umgang mit den eigenen Fehlern und den von anderen Menschen und ich möchte es keinesfalls missen. Aber natürlich passiert es mir dann hin- und wieder dass ich zu wenig denke.

Ajahn Chah hat einmal gesagt, so lange man die Extreme meidet kommt man in der Praxis voran, ähnlich wie ein Stöckchen, das im Fluß schwimmt und – so lange es nicht an den Rand gerät – immer weiter schwimmt. Das trifft es im Grunde ganz gut.

Was mich auf Anregung der Unbuddhisten hin tatsächlich etwas wundert ist, dass wir auch in meiner relativ offenen Meditationsgruppe so selten über unsere Schwierigkeiten reden. Über die guten Erfahrungen hin und wieder, über schlechten fast nie.

Richtig traurig sein üben

In meiner Meditationsgruppe gibt es jede Woche kleine Achtsamkeitsübungen, wie z.B. achtsam Zähneputzen als „Hausaufgabe“. Auch wenn diese Übungen ganz nett sind, so passen sie eben manchmal in die jeweilige Situation und manchmal auch nicht.

Wenn man „ohne Übung“ praktiziert, hat man die Freiheit das jeweils deutlich besser auf die Situation anzupassen.

Aufgabe für nachher: „richtig“ traurig sein.

Fuck That!-Meditation

Teilweise habe ich das Gefühl, dass die buddhistische Praxis uns gar nicht zu entspannteren Menschen macht, sondern im Gegenteil mehr von dem Anhaften erzeugt, das wir doch loswerden wollen.

So führt die erhöhte Achtsamkeit seinen Gefühlen und seinen Mitmenschen gegenüber zwar durchaus zu mehr Mitgefühl, aber das kann auch sehr schnell belastend werden. Das Leid wird nicht leichter zu ertragen, wenn man es stärker wahrnimmt und dabei das „loslassen“ vergisst.

Müsste ich dafür eine Meditationstechnik entwickeln würde die dieses Problem sehr viel direkter adressieren, als die bereits vorhandenen (Gleichmut, Mitgefühl für sich selbst). Sie würde vermutlich darinbestehen, dass man – ähnlich wie beim Zen-Fragen – einen einzigen Satz ständig wiederholt:

Fuck That!