Ajahn Brahm: Serve and be hopey

Jeder Mensch hat vermutlich eine Person oder einen Text, der oder die das anhaltende Interesse am Buddhismus verantwortlich ist. Bei mir ist und war es definitiv Ajahn Brahm.

In diesem Vortrag ist er sichtlich erschöpft und braucht daher einige Zeit um in seinen normalen Fluss zu kommen. Aber wie so oft treten bei Erschöpfung Dinge klarer zu Tage, weil die Kraft fehlt, sie zu verdecken.

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X ist kein Grund Y zu sein

Aus quasi vorbuddhistischen Zeiten, stammt die folgende Erkenntnis meinerseits:

Traurig zu sein ist kein Grund traurig zu sein.

(Heute würde ich das natürlich professionell unter dukkha-dukkha abheften ;))

Von heute stammt stattdessen:

Einsam sein Sich einsam fühlen ist kein Grund keinen Spaß zu haben.

Nothing, absolutely nothing.

In letzter Zeit bin ich endlich wieder dazu gekommen etwas mehr zu meditieren und meine „falsche Achtsamkeit“ ging davon auch weg.

Vorher lag ich dann im Bett und habe etwas nachgedacht. Über mein Leben, darüber wie es nach dem Studium weitergehen soll und auch über den Buddhismus.

Darüber ob es wirklich so erstrebenswert ist Mitgefühl zu entwickeln und zu versuchen „negative“ Gedanken „wegzubekommen“. Ob es wirklich so viel Sinn macht Achtsamkeit zu üben, wenn dafür eine gewisse Langsamkeit erforderlich ist. Vieles von dem was andere so als Buddhismus betrachten scheint mir irgendwie sehr verkrampft und aufgesetzt.

Ganz am Ende als ich es fast aufgegeben hatte eine Antwort auf die Frage was davon erstrebenswert wäre zu finden kam mir ein Zitat von Ajahn Chah in den Sinn.

Nothing. Absolutely nothing.

Nichts ist wirklich erstrebenswert. Am Ende gibt es nichts, das es lohnt sein Herz daran zu binden.

Komischer Typ, dieser Ajahn Cha.

Die Gefahren der Praxis

Hin und wieder passiert es mir, dass ich falsch praktiziere. Das ist nicht groß überraschend, schlieslich ist man auch nur ein Mensch und Menschen machen eben Fehler.

Es spricht auch überhaupt nicht gegen die Praxis, früher habe ich schlieslich auch Fehler gemacht, nur eben andere (und eher größere). Früher habe ich häufig zu viel nachgedacht und mich in meinen Gedanken verloren. Heute lasse ich die Gedanken auch einfach mal Gedanken sein.

Das hilft auch häufig im Umgang mit den eigenen Fehlern und den von anderen Menschen und ich möchte es keinesfalls missen. Aber natürlich passiert es mir dann hin- und wieder dass ich zu wenig denke.

Ajahn Chah hat einmal gesagt, so lange man die Extreme meidet kommt man in der Praxis voran, ähnlich wie ein Stöckchen, das im Fluß schwimmt und – so lange es nicht an den Rand gerät – immer weiter schwimmt. Das trifft es im Grunde ganz gut.

Was mich auf Anregung der Unbuddhisten hin tatsächlich etwas wundert ist, dass wir auch in meiner relativ offenen Meditationsgruppe so selten über unsere Schwierigkeiten reden. Über die guten Erfahrungen hin und wieder, über schlechten fast nie.

Richtig traurig sein üben

In meiner Meditationsgruppe gibt es jede Woche kleine Achtsamkeitsübungen, wie z.B. achtsam Zähneputzen als „Hausaufgabe“. Auch wenn diese Übungen ganz nett sind, so passen sie eben manchmal in die jeweilige Situation und manchmal auch nicht.

Wenn man „ohne Übung“ praktiziert, hat man die Freiheit das jeweils deutlich besser auf die Situation anzupassen.

Aufgabe für nachher: „richtig“ traurig sein.

„Was ist Leiden?“

Die letzte Zeit war ich irgendwie sehr gestresst. Das ist sehr ungewöhnlich für mich und konnte auch gar nicht an der Arbeitsbelastung liegen, die maximal bei 30h/Woche liegt. In früheren Semester habe ich 60 Stunden die Woche gearbeitet und war deutlich weniger gestresst.

Ich hab dann darüber nachgedacht warum das so ist und bin zum Schluss gekommen, dass mir damals einfach mehr egal war. Wenn alles schief gelaufen wäre, hätte ich einfach was anderes studiert und maximal ein Jahr verloren. Heute steht einfach mehr auf den Spiel.

Und siehe da, seit ich mir Mühe gebe mehr Dingen als unwichtig zu erachten läuft es auch deutlich besser.

Lieber Buddha, liebe Nachfolger auf seinem Weg: Vielen Dank.

Nicht für die Antwort. Nur für die Frage.

Krank sein, eine Meditation

Angeblich soll es ja Schön-Wetter-Buddhisten geben. Menschen, die nur praktizieren wenn es Spaß macht und es gut geht. Komischerweise ist das bei mir andersherum.

Krank sein,

zwingt einen seine Pläne aufzugeben,
nimmt einem die Kraft die Welt zu verändern
und die Hoffnung, dass sie sich groß ändern lässt,

zwingt einen  Rücksicht auf sich selbst zu nehmen,
erfordert einen sanften Umgang mit sich selbst.

Eine Meditation.